Wer 1993 sagt, denkt an Audiokassetten, Telefonkabinen oder 3,5-Zoll-Disketten. Eine andere Zeit. Doch 1993 war auch das Jahr, in dem die kantonale Veloroute im Wallis im Strassengesetz verankert wurde.
Dreissig Jahre später ist sie noch immer da. Und in einem entscheidenden Punkt hat sie nichts von ihrer Bedeutung verloren: ihrer Nützlichkeit. Als Rückgrat des Veloverkehrs im Wallis wird sie heute sowohl für alltägliche Wege als auch für Freizeitfahrten genutzt.
Die verfügbaren Zahlen verdeutlichen diesen Erfolg. Allein auf dem mit einem Zähler ausgestatteten Abschnitt zwischen Sitten und St. Leonhard werden jedes Jahr mehr als 100’000 Velodurchfahrten registriert. Für PRO VELO Valais/Wallis zeigt dieser Erfolg eines ganz deutlich: Wo sichere und direkte Veloinfrastrukturen vorhanden sind, werden sie von der Bevölkerung genutzt.
Doch diese historische Veloroute muss nun weiter ausgebaut und verbessert werden, damit sie auch künftig den Bedürfnissen gerecht wird. PRO VELO Valais/Wallis sieht dabei vier prioritäre Handlungsfelder.
1. Ein Belag, der der Nutzung gerecht wird
Das erste betrifft direkt den Komfort und die Sicherheit der Velofahrenden: den Zustand des Belags. Im Laufe der Zeit haben sich einige Abschnitte verschlechtert, insbesondere durch den Einfluss von Wurzeln. Für Velofahrende sind diese Unebenheiten nicht nur eine Frage des Komforts. Sie können auch die Sturzgefahr erhöhen, insbesondere für Velos mit kleinen Rädern oder für Personen, die Kinder transportieren.

Hinzu kommt eine Situation, die nach dreissig Jahren Bestehen überraschen mag: Einige Abschnitte der Route sind noch immer nicht asphaltiert.
Für PRO VELO ist die Priorität daher klar: Die beschädigten Abschnitte schrittweise instand setzen und den Ausbau der Route abschliessen, damit entlang der gesamten Strecke eine einheitliche Infrastruktur gewährleistet ist.
2. Eine Veloroute, die auch im Winter funktioniert
Eine Veloroute kann perfekt ausgebaut sein, doch einen grossen Teil ihrer Bedeutung verlieren, wenn sie bereits bei den ersten Schneefällen oder während Frostperioden unpassierbar wird. So können sich bestimmte Abschnitte entlang der Rhoneufer in regelrechte Eisbahnen verwandeln, wenn sie nicht vom Schnee geräumt werden. Dadurch sind sie während mehrerer Tage nur schwer oder gar nicht befahrbar.
Wie die kantonale Veloroute selbst ist auch deren Unterhalt gesetzlich geregelt (Art. 103 des kantonalen Strassengesetzes). PRO VELO Valais/Wallis fordert deshalb, dass die gesamte Route systematisch von Schnee geräumt wird. Ziel ist es, sie an 365 Tagen im Jahr zu einer echten Alternative zum Auto zu machen – und nicht nur dann, wenn die Wetterbedingungen günstig sind.
Nach einem politischen Vorstoss und einer anschliessenden Medienaktion wird der Verein seine Bemühungen für den kommenden Winter verstärken und weitere Mittel einsetzen, um die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben durchzusetzen.
3. Unterbrüche vermeiden: bessere Signalisation und Orientierung
Eine Veloroute kann auf einem grossen Teil ihrer Strecke sicher sein, aber an Wirksamkeit verlieren, wenn es schwierig wird, ihr zu folgen. Baustellen, vorübergehende Umleitungen oder Querungen im Siedlungsgebiet können so zu Unterbrechungen auf einer Route führen, die eigentlich als durchgehend konzipiert ist.

Die Signalisation muss es Velofahrenden ermöglichen, sofort zu erkennen, wo sie weiterfahren können, insbesondere wenn die übliche Route durch eine Baustelle unterbrochen ist. Klar ausgeschilderte Umleitungen sind deshalb unerlässlich.
Das Problem besteht auch in einigen Städten, die von der kantonalen Veloroute durchquert werden. Dort ist der Verlauf weniger eindeutig und kann den Eindruck erwecken, dass die Route im Siedlungsgebiet «verschwindet».
4. Die Veloroute mit den Dörfern in der Ebene verbinden
Die vierte Herausforderung geht schliesslich über den historischen Verlauf der Route hinaus: Es geht darum, sie besser mit den nahe gelegenen Ortschaften zu verbinden.
Denn eine Hauptveloroute allein reicht nicht aus, wenn die Einwohnerinnen und Einwohner der umliegenden Gemeinden eine gefährliche Strasse benutzen oder einen grossen Umweg in Kauf nehmen müssen, um sie zu erreichen.
PRO VELO stellt fest, dass einige Dörfer nur wenige hundert Meter von der kantonalen Veloroute entfernt liegen, ohne dass eine sichere, direkte und durchgehende Veloverbindung dorthin besteht.
Diese Frage ist zentral, um von einer Veloroute zu einem echten Velonetz zu gelangen. Das Ziel besteht nicht mehr nur darin, die grösseren Städte in der Rhoneebene miteinander zu verbinden, sondern den Einwohnerinnen und Einwohnern zu ermöglichen, die Route von ihrem Wohnort, ihrem Arbeitsplatz oder nahe gelegenen Dienstleistungen aus einfach zu erreichen.
Die nächsten dreissig Jahre vorbereiten
Dreissig Jahre nach ihrer Verankerung im Gesetz hat die kantonale Veloroute ihre Leistungsfähigkeit also längst unter Beweis gestellt. Die mehr als 100’000 Velodurchfahrten, die jedes Jahr zwischen Sitten und St. Leonhard registriert werden, zeugen davon. Ihr Erfolg darf jedoch nicht dazu führen, dass man sich damit zufriedengibt: Eine derart stark genutzte Infrastruktur verdient es, unterhalten, verbessert und weiterentwickelt zu werden.
Für PRO VELO Valais/Wallis sind die vier Prioritäten klar: ein qualitativ hochwertiger Belag, ein durchgehender Winterunterhalt, eine gut erkennbare Streckenführung und sichere Verbindungen zu den Ortschaften in der Ebene. Über diese punktuellen Verbesserungen hinaus geht es darum, den nächsten Schritt zu machen: Aus dieser Route soll das Rückgrat eines echten Walliser Velonetzes werden.
« Build it and they will come. »
PRO VELO Valais/Wallis will auch künftig seine Rolle als kritischer und konstruktiver Partner gegenüber dem Kanton und den Gemeinden wahrnehmen. Der Verein steht ihnen gerne zur Verfügung, um sein Fachwissen aus der Praxis einzubringen und dazu beizutragen, dass das Velo im Alltag zu einer wirklich zugänglichen Mobilitätsoption wird.
Les médias en parlent :
– Walliser Zeitung (30.08.2026)
– Velojournal (01.09.2026)
– Swiss Info (02.09.2026)
– Kanal 9 (07.09.2026), Mitwirkung von PRO VELO


























